
Aktuelles
Ein Jahrhundert der Sendung
(eine Ansprache von Schwester Fran Cunningham, SSSF)
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Schwester Fran Cunningham |
Grüß Gott! Es ist mir eine Ehre, zusammen mit Ihnen bei dieser Feier anlässlich des einhundertsten Jubiläums unserer Erlenbader Franziskanerinnen dabei zu sein. Ihre heutige Anwesenheit ist ein Zeugnis der Unterstützung, die Sie unseren Schwestern in all diesen Jahren geleistet haben. Ich danke Ihnen herzlich, dass Sie hier sind.
Wir haben uns heute versammelt, um den 100. Jahrestag der Gründung der Europäischen Provinz unserer Internationalen Kongregation, der Schulschwestern des hl. Franziskus, zu feiern. Im September 1907 genehmigte Papst Pius X. die Gründung der Provinz unter der Leitung von Mutter Alexia Höll. Ich danke Ihnen für die Freundschaft und die Unterstützung, die Sie den Erlenbader Franziskanerinnen in all diesen Jahren erwiesen haben!
Wir feiern heute nicht nur die Errungenschaften unserer Schwestern in diesen 100 Jahren. Wir feiern auch ihre Treue zu Gottes Sendung, die stets die treibende Kraft im Leben unserer Gründerin, Mutter Alexia, war.
Die Vision von Mutter Alexia für unsere Kongregation und besonders für die Europäische Provinz war tief in der Sendung „Leben ermöglichen, heilen, schützen“ verwurzelt.
In ihrem Buch über die Geschichte der Erlenbader Franziskanerinnen zitiert Mutter Archangela einen Brief von Erzbischof von Freiburg, Hermann Schäufele:
„Die Schwestern vom heiligen Franziskus in Erlenbad lebten den ‚Sinn der Kirche’. …Sie wollten nicht eine eigene Spiritualität bauen, die vom Umlauf des Wortes, der Gnade und der Liebe in der Gemeinschaft der Brüder und Schwestern in Christus absieht. Sie wollten eine unmittelbarere und vollere Teilhabe an der Sendung der Kirche…
Seiner Überzeugung nach besaßen die Schwestern „… eine Entschlossenheit, die im Ringen um das Ziel nie müde wurde.”
Mutter Alexias Sendungsvermächtnis an diese Provinz kann in zwei Bibelzitaten zusammengefasst werden:
„Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.“
Johannes 17,18
und
„Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen.“
Lucas 12,49
Es gibt eine Geschichte über einen jungen Bruder, der einen älteren Mitbruder um Rat bat. Der ältere Bruder war bekannt für seine Weisheit, und der junge Bruder wollte wissen, wie er sein Leben noch frommer leben könnte. „Lieber Bruder, ich fasste und bete jeden Tag. Was könnte ich sonst noch tun?“, fragte er. Der ältere Bruder überlegte einen Moment lang, streckte seine Hände dem Himmel entgegen, und seine Finger waren wie Flammen. Und er sagte: „Werde zu Feuer!“
Das Feuer der Sendung Christi brannte in Mutter Alexias Herz als sie in ihre Heimat zurückkehrte, um die Europäische Provinz zu gründen. Sie glaubte fest daran, dass sie von Gott „gesandt“ war, nach Amerika zu gehen und dort der Kongregation ihren Anfang zu geben. Sie wusste auch, dass Gott sie zurück nach Europa schickte, um eine neue Provinz zu gründen. Sie flößte ihren Schwestern immer die Überzeugung ein, dass sie Anteil an der Sendung Christi haben. Ihr Feuer, ihr Geist des Gebetes und ihr tiefgründiges Gottvertrauen waren die Gaben, die sie in den jungen Schwestern hegte. Diese Gaben sind nach wie vor Teil des Lebens und der Apostolatsdienste unserer Schwestern.
Als Mutter Alexia begann, nach Deutschland zu Reisen, gab sie klar zu verstehen, dass ihre Gemeinschaft nicht auf eine Diözese oder auch auf ein Land beschränkt sein würde. Sie wollte junge Mädchen aus Deutschland in die Vereinigten Staaten bringen, um die Apostolatsdienste der Gemeinschaft unter den Einwanderern in der jungen Amerikanischen Kirche zu erweitern. Ihr tiefster Wunsch aber war, ein Noviziat und ein Provinz-Mutterhaus in Erlenbad zu gründen.
Als ihre Pläne für ein Noviziat von den badischen Behörden nicht genehmigt wurden, ging Mutter Alexia nach Luxemburg. Sie gründete ein Noviziat und baute ein Provinz-Mutterhaus. Junge Frauen aus Baden folgten ihr nach Luxemburg. In den Vorkriegsjahren wurden jährlich 40 bis 50 Postulantinnen aufgenommen. So wurde Luxemburg zum Gründungsort der Europäischen Provinz.
Neun Jahre später versetzte Mutter Alexia das Noviziat und das Provinz-Mutterhaus nach Strassburg-Ruprechtsau. Dort starb sie auch im Jahre 1918. Ihr letzter Wunsch war es, im Erlenbad beerdigt zu werden, wo sie jetzt auch ruht.
Ein Jahr nach ihrem Tod genehmigte der Erzbischof von Freiburg die Versetzung des Noviziats und des Provinz-Mutterhauses nach Erlenbad. Und schon sieben Jahre später zogen die Schwestern in das neu erbaute Provinz-Mutterhaus ein!
„Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen.“
In den Jahren 1904 bis 1918 eröffnete Mutter Alexia, von ihrem Sendungsgeist vorangetrieben, über 60 Stationen in Baden, trotzt den strengen Vorschriften des Landes. Vier Jahre vor ihrem Tod eröffnete sie Heime für katholische Frauen, die an Universitäten studierten. Ein Priester und Biograph schrieb über sie: „Sie hatte ein ungemein reges soziales Empfinden und zeigte großes Verständnis für alle brennenden Zeitfragen”.
Mutter Alexia gründete eine weltweite Gemeinschaft, deren Apostolatsdienste stets eine Antwort auf die Nöte der Zeit waren.
Nach Ihrem Tod wuchs die Gemeinschaft in Europa rasch zu, und die Apostolatsdienste breiteten sich in andere Teile Süddeutschlands, die Schweiz und nach Holland aus. Mutter Alexia schickte Schwestern in die Karolinen, und Mutter Catharina nach Indien und Honduras. Heute verdanken wir das Bestehen unserer beiden indischen Provinzen der Liebe und Unterstützung unserer Schwestern der Europäischen Provinz.
„Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.“
Unsere Franziskanischen Schwestern von Erlenbad bleiben dem Geist von Mutter Alexia treu, die stets die Zeichen der Zeit im Auge behielt. Sie sagte oft: „die Zeichen der Zeit sind der Wille Gottes für uns.“ In Anbetracht der Veränderungen in der Gemeinschaft und in der Welt in den letzten Jahrzehnten stellen sich die Schwestern diese oder ähnliche Fragen:
Was sind die neuen Zeichen unserer Zeit?
Sind wir imstande, auf die Nöte dieser Zeit zu antworten?
Wie können wir das Gesicht des Evangeliums sein?
Wie können wir helfen, das Gesicht der Welt zu verändern?
Unsere Schwestern wissen, dass Sendung mit persönlicher Bekehrung beginnt. Ihre Sendung in der Welt von heute bedeutet, einen Ort des Gebets für Menschen bereitzustellen, einen Ort, wo Menschen ihre Spiritualität entwickeln und entfalten können. Sie kümmern sich um die Obdachlosen, die Kranken und die Älteren. Zugleich üben sie Solidarität mit Menschen verschiedner Altersgruppen, Kulturen und Religionen, die nach neuen, bedeutungsvollen Horizonten suchen. Sendung in der heutigen Zeit umfasst auch Ökologie, Umweltschutz und interreligiösen Dialog.
Ein Jahrhundert der Sendung liegt hinter uns, und heute ruft Gott die Erlenbader Franziskanerinnen auf, sich im neuen Jahrhundert wieder für das Leben zu entscheiden.
Mögen sie ihre Antwort auf die Sendung weiterhin im Geiste von Mutter Alexia geben, für die nichts unmöglich war.
Mögen sie weiterhin auf die Menschen und die Erde im Geiste von Franziskus und Klara eingehen.
Mögen sie in der Welt Quelle neuen Lebens, neuen Denkens und neuer Hoffnung sein.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
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